Technik
Fraunhofer-Feldtest: Wärmepumpen heizen auch in Häusern von 1826 bis 2001 effizient
Das Fraunhofer ISE hat 77 Wärmepumpen in Bestandshäusern vier Jahre lang gemessen. Luft-Wasser-Geräte kamen im Schnitt auf eine Jahresarbeitszahl von 3,4.
Wärmepumpen heizen auch in alten Häusern effizient. Zu diesem Ergebnis kommt das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in seinem Feldtest „WP-QS im Bestand“, den es am 20. November 2025 abgeschlossen hat: Vier Jahre lang hat das Institut 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern der Baujahre 1826 bis 2001 gemessen. Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten im Schnitt eine Jahresarbeitszahl von 3,4, Erdwärmepumpen von 4,3.
Die gemessenen Anlagen verursachten im Jahr 2024 um 64 % weniger CO₂ als Erdgasheizungen. Einen Zusammenhang zwischen dem Baujahr eines Hauses und der Effizienz seiner Wärmepumpe fand das Institut nicht.
Was das für Sie bedeutet
Ein altes Haus ist für sich genommen kein Grund, eine Wärmepumpe auszuschließen. Wie sparsam sie arbeitet, hängt stark davon ab, wie warm das Heizwasser sein muss – und das ist keine Frage des Baujahrs allein. Eine Fußbodenheizung ist dafür keine Bedingung, wie die Messungen an Heizkörpern zeigen.
Allerdings streuen die Werte deutlich: Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen reichte die Jahresarbeitszahl von 2,6 bis 4,9. Eine Wärmepumpe im Altbau braucht deshalb eine Planung, die zum Haus passt – mit Heizlast, Heizkörpern und sauberer Einstellung.
Die Ergebnisse im Überblick
| Messgröße | Ergebnis |
|---|---|
| Anlagen | 77 Wärmepumpen |
| Gebäude | Ein- bis Dreifamilienhäuser, Baujahre 1826–2001 |
| Messdauer | vier Jahre |
| Jahresarbeitszahl Luft-Wasser | Ø 3,4 (Spanne 2,6–4,9) |
| Jahresarbeitszahl Erdwärme | Ø 4,3 (Spanne 3,6–5,4) |
| CO₂-Ausstoß 2024 | 64 % weniger als Erdgasheizungen |
| Baujahr und Effizienz | kein Zusammenhang gefunden |
Die Jahresarbeitszahl gibt an, wie viel Wärme eine Wärmepumpe im Jahresmittel aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt. Ein Wert von 3,4 bedeutet: Aus einer Kilowattstunde Strom werden 3,4 Kilowattstunden Wärme. Erdwärmepumpen liegen höher, weil das Erdreich im Winter wärmer ist als die Außenluft. Für eine Gasheizung setzen wir in unserer Beispielrechnung weiter unten einen Nutzungsgrad von 0,95 an, also 0,95 Kilowattstunden Wärme je Kilowattstunde Erdgas.
Heizkörper statt Fußbodenheizung
Eine Wärmepumpe arbeitet umso sparsamer, je niedriger die Vorlauftemperatur ist – also die Temperatur des Wassers, das in die Heizkörper fließt. Große Heizkörper geben dieselbe Wärme bei niedrigerer Temperatur ab als kleine. Das erklärt, warum ausreichend große Heizkörper in der Messung im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen auskamen wie Fußbodenheizungen.
Reicht ein einzelner Heizkörper nicht aus, lässt er sich gezielt gegen einen größeren tauschen. Welche Räume betroffen sind, zeigt eine raumweise Heizlastberechnung: Sie ermittelt, wie viel Wärme jeder Raum an kalten Tagen braucht. Für den Heizkörpertausch im Altbau nennt enerix 1.000 bis 3.000 €.
Dazu kommt der hydraulische Abgleich. Er sorgt dafür, dass jeder Heizkörper die passende Menge Heizwasser bekommt; enerix nennt dafür 500 bis 1.000 €.
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Was die Messwerte für Ihre Heizkosten heißen
Die Jahresarbeitszahl bestimmt, wie viel Strom die Wärmepumpe braucht. Unsere Beispielrechnung geht von 20.000 kWh Wärmebedarf im Jahr aus. Für den Strom setzen wir die Durchschnittswerte aus dem Marktcheck der Verbraucherzentrale NRW vom 20.02.2026 an: 24 ct/kWh im Wärmepumpentarif mit eigenem Zähler und 140 € Grundpreis im Jahr; die Tarife reichten dort von 20 bis 29 ct/kWh.
| Jahresarbeitszahl | Strom im Jahr | Stromkosten im Jahr |
|---|---|---|
| 2,6 (unteres Ende, Luft-Wasser) | 7.692 kWh | 1.986 € |
| 3,4 (Durchschnitt, Luft-Wasser) | 5.882 kWh | 1.552 € |
| 4,9 (oberes Ende, Luft-Wasser) | 4.082 kWh | 1.120 € |
| 4,3 (Durchschnitt, Erdwärme) | 4.651 kWh | 1.256 € |
Zum Vergleich: Mit einer Gasheizung kostet dieselbe Wärme in unserer Rechnung rund 2.312 € im Jahr. Wir setzen dafür den durchschnittlichen Neukundenpreis von 10,98 ct/kWh an (LichtBlick, September 2026) und einen angenommenen Nutzungsgrad von 0,95. Grundpreis, Wartung und Schornsteinfeger sind dabei nicht enthalten.
Zwei Hinweise gehören dazu. In der Gas-Grundversorgung mit 13,60 ct/kWh läge der Gasbetrag höher. Wer für die Wärmepumpe keinen eigenen Zähler hat (Modul 1), zahlte im Marktcheck im Schnitt 31,5 ct/kWh – dann steigen die Stromkosten entsprechend.
Erdwärmepumpen kommen mit weniger Strom aus, kosten in der Anschaffung aber mehr. Laut enerix liegen sie mit Bohrung bei 30.000 bis 50.000 €, Luft-Wasser-Wärmepumpen im Einfamilienhaus mit Einbau bei 25.000 bis 35.000 €. Ob sich der Aufpreis über die Jahre rechnet, hängt vom Grundstück und vom Angebot ab.
Auffällig ist die Spanne bei Erdwärme: Sie reichte von 3,6 bis 5,4. Selbst der untere Wert lag damit über dem Durchschnitt der Luft-Wasser-Wärmepumpen.
Messwert statt Prospektwert
Die Jahresarbeitszahl stammt aus dem echten Betrieb über ein ganzes Jahr, mit kalten und milden Tagen. Herstellerangaben wie die Leistungszahl (COP) beschreiben dagegen einen festen Betriebspunkt auf dem Prüfstand. Für die Frage, was eine Wärmepumpe im Bestand leistet, sind Felddaten deshalb aussagekräftiger. Fragen Sie im Angebot nach der erwarteten Jahresarbeitszahl für Ihr Haus – nicht nur nach der Leistungszahl des Geräts.
CO₂: Wovon der Vorteil abhängt
Den Vorteil von 64 % weniger CO₂ hat das Fraunhofer ISE für das Jahr 2024 ermittelt. Wie groß er ausfällt, hängt vom Strom ab, mit dem die Wärmepumpe läuft: Je mehr erneuerbarer Strom im Netz ist, desto weniger CO₂ verursacht jede Kilowattstunde Wärme. Wer einen Teil des Stroms mit einer eigenen Photovoltaikanlage erzeugt, verbessert die Bilanz zusätzlich.
Bei Erdgas bleibt der Ausstoß je Kilowattstunde dagegen gleich. Zusätzlich liegt auf jeder Kilowattstunde der CO₂-Preis: 2026 sind das laut heizsparer.de 1,31 bis 1,55 ct. Im Gaspreis unserer Beispielrechnung ist dieser Aufschlag bereits enthalten.
Was die Messung nicht beantwortet
Die Ergebnisse beschreiben den Durchschnitt von 77 Anlagen, nicht jedes einzelne Haus. Gemessen wurden Ein- bis Dreifamilienhäuser; für große Mehrfamilienhäuser liefert das Messprojekt keine Werte.
Auch die Kosten rund um den Einbau bleiben außen vor. Neben Gerät und Heizkörpern können im Altbau weitere Posten anfallen:
- Elektrik: 500 bis 2.000 €
- Fundament: 300 bis 1.500 €
- Entsorgung der Altanlage: 500 bis 2.000 €
Dem steht die KfW-Förderung gegenüber: 30 % Grundförderung, dazu können der Klimageschwindigkeitsbonus – 16 % bei einem Antrag bis zum 31. Januar 2027 – und ein Einkommensbonus kommen. Wie der Bonus ab Februar 2027 sinkt, lesen Sie in unserem Bericht Förderung sinkt ab Februar 2027.
In dicht bebauten Altbauvierteln kommt eine weitere Frage hinzu: die Lautstärke der Außeneinheit. Nach der TA Lärm gilt im reinen Wohngebiet nachts ein Richtwert von 35 dB(A) am Nachbarhaus. Leise Geräte erreichen nach Herstellerangaben, die 42watt wiedergibt, im Nachtbetrieb in 3 m Abstand einen Schalldruck unter 30 dB(A).
Einordnung
Das Ergebnis widerspricht der verbreiteten Annahme, Wärmepumpen eigneten sich nur für Neubauten. Für die Diskussion um Wärmepumpen im Altbau liefert das Fraunhofer ISE damit Messdaten statt Vermutungen.
Für Ihr Haus ersetzt die Untersuchung keine Planung: Heizlast, Heizkörper und Stromtarif beeinflussen, wo Ihre Anlage innerhalb der gemessenen Spanne landet. Die Messwerte in diesem Bericht stammen aus der Pressemitteilung des Fraunhofer ISE vom 20. November 2025, wie das Fachmagazin top agrar sie wiedergibt.
Was bedeutet das für Ihr Haus?
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Häufige Fragen
Was bedeutet eine Jahresarbeitszahl von 3,4?
Die Jahresarbeitszahl gibt an, wie viel Wärme eine Wärmepumpe im Jahresmittel aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt. Bei 3,4 werden aus einer Kilowattstunde Strom 3,4 Kilowattstunden Wärme.
Funktioniert die Wärmepumpe auch mit normalen Heizkörpern?
Oft ja. In den Messungen des Fraunhofer ISE liefen ausreichend große Heizkörper im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen wie Fußbodenheizungen. Ob Ihre Heizkörper genügen, klärt eine raumweise Heizlastberechnung.
Spielt das Baujahr eine Rolle für die Effizienz?
In dieser Untersuchung nicht: Das Fraunhofer ISE fand keinen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz. Die gemessenen Häuser stammen aus den Jahren 1826 bis 2001.
Wie viel CO₂ sparen Wärmepumpen im Altbau?
Die gemessenen Wärmepumpen verursachten im Jahr 2024 um 64 % weniger CO₂ als Erdgasheizungen.
Quellen
- top agrar: Wärmepumpen heizen auch im Altbau klimafreundlich (zur Pressemitteilung des Fraunhofer ISE) (erschienen 20.11.2025)
- Verbraucherzentrale NRW: Marktcheck Wärmepumpenstromtarife (erschienen 20.02.2026)
- LichtBlick: Aktueller Gaspreis pro kWh (erschienen 01.09.2026)
- enerix: Wärmepumpe – Kosten (erschienen 29.09.2026)
- heizsparer.de: CO₂-Preis 2027 – was auf Heizöl und Gas zukommt (erschienen 02.09.2026)
- 42watt: Wärmepumpe – Abstand zum Nachbarn und Lautstärke (erschienen 13.03.2026)
- ADAC: KfW-Heizungsförderung – was sich ab 21. Juli 2026 ändert (erschienen 21.07.2026)